Rheindesign-Mitarbeiterin Veronika Kornas hat Armin Müller während seiner Vorbereitungen für Rheindesign besucht.
Herr Müller, was hat Jazz mit Design zu tun?
A.M.:
Der Titel unseres Festivals heißt „The Spirit of Blue Note“ und das Label Blue Note steht für revolutionäres Grafikdesign. Reid Miles war Ende der 50er Jahre der Grafikdesigner des Plattenlabels und war für die Plattencover verantwortlich. Der Inhalt seines Grafikdesigns waren die Legenden des Jazz. Oft ist es ja so, dass die Cover zwar schön sind, der Inhalt jedoch nicht und das war bei Blue Note anders. Da waren der Inhalt sowie die Grafik Qualität pur! Es gab daneben auch eine fotografische Welt: Francis Wolff, der neben Alfred Lion der Inhaber des Plattenlabels war. Die Fotos wurden immer blau unterlegt und dann als Cover verwendet. Dietrich Rünger macht daraus „Plattencover- Kunst“ , das kann man dann bei der Ausstellung „Painted Jazz“, die im Rahmen des Festivals statt findet, näher betrachten!
Wie kamen Sie auf die Idee, ein altes Label wieder heraus zu graben?
A.M.:
Das war eigentlich eine Idee von Künstler Dietrich Rünger. Ihm hat das Projekt „Spichernhöfe“ gefallen und er wollte dort eine Kunstausstellung machen. Zuerst dachten wir, dass das eine gute Idee ist, weil zu der Zeit auch die ArtCologne stattfand. Wir wollten somit die Kunstmesse mit Rüngers Bildern verbinden. Doch zeitliche und finanzielle Gründe haben das leider verhindert. Die Initiative Rheindesign war dann in der Mache und unsere Aufgabe war es, einen Beitrag zu finden, da wir unbedingt mitmachen wollten. Allerdings passte Rüngers Format allein nicht zu Rheindesign und so sind wir auf die Idee gekommen, dass „The Spirit of Blue Note“ passen könnte. Viele Leute kennen das Label und die Designidee hinter dem Label nicht, das wollen wir ändern.
Was macht den Jazz bis heute so kultig, dass er mittlerweile schon Designstatus erreicht hat?
A.M.:
Für mich ist Popmusik vergängliche Musik, die immer langweiliger wird. Zehn Minuten Radio hören reicht schonDer ganze Mainstream ist einfach zu anstrengend für mich. Jazz dagegen hat tausend Richtungen! Mir gefallen eher die Bläser- Piano- Stücke, der klassische, ruhige und entspannte Jazz. Dieses Festival soll auch für die Leute sein, die nichts mit Jazz anfangen können.
Was sind für Sie die Stil bildenden Jazz-/Designikonen?
A.M.:
Miles Davis an der Trompete, Dave Brubeck am Piano. Über Designikonen möchte ich mir jedoch kein Urteil erlauben, weil ich eher mit Architektur arbeite. Ich könnte Ihnen vielleicht meinen Lieblingsarchitekten nennen, das wäre dann Peter Zumthor.
Wie gehen junge Leute mittlerweile mit Jazzmusik um? Haben Sie das Gefühl, dass viele Jazz erst durch andere Musik wie HipHop kennen lernen und was halten Sie davon?
A.M.:
Die Musikvielfalt von heute zeigt den Wunsch nach Individualisierung, in der Musik aber auch in der Mode. Diese Vielfalt bringt nun mal eine Vielfalt an Musikrichtungen wie HipHop mit sich. Vieles wird auch immer wieder neu belebt, wie die klassische Surfmusik, die dann z.B. durch „Pulp Fiction“ wieder bekannter wurde. Es gibt aber heute selten jemanden, der mit Anfang zwanzig Dave Brubeck gut findet, wir wachsen halt doch eher mit Mainstream auf.
Warum eignen sich die Spichernhöfe für ein Jazzfestival so besonders?
A.M.:
Design findet schon seit vier Jahren in den Spichernhöfen statt. Es gibt Veranstaltungen zu Architektur und Design und wir haben auch den Architekturpreis 2006 erhalten. Da Rheindesign auch Open Air stattfinden soll und es in Köln selten attraktiv gestaltete Plätze gibt, wollen wir zeigen wie es sein kann. Unser Ziel ist es die Spichernhöfe nicht mehr als Privatgrundstück zu sehen, sondern wir machen die Tore auf und wollen die Leute einladen! Wir wollen ein positives Beispiel für Qualität im Außenraum darstellen.
Wie verwandeln Sie die Spichernhöfe in eine Jazz- Kulisse und Höhle?
A.M.:
Es gibt Livejazz vom 21. -23. Juni. Am Samstag, den 23. Juni, tritt Terence Ngassa auf, der Ethno- Afro- Jazz macht, das wird eine bunte Mischung und ein bisschen funky. Dann haben wir noch die Ausstellung „Painted Jazz“, die bis zum 15.7. geht, dazu kann man sich dann über einen I-Pod die passenden Jazz-Stücke anhören. Von Walther König erhalten wir eine große Auswahl an Büchern über Jazz. Wir stellen alte Plattenspieler zum Reinhören aus, damit man auch das schöne Knistern miterleben kann. Es gibt eine Zigarren- Lounge mit einer Zigarrendreherin, dann kann man im Clubchair zu guter Musik abhängen und sich berieseln lassen. Natürlich noch den Blue Note Jazzclub und den Blue Note Film und noch mehr Infos finden Sie auf www.rheindesign.eu im Internet.