Das Excelsior Hotel Ernst öffnet sich für Rheindesign.
Mitarbeiterin Veronika Kornas hat Hotelmanager Wilhelm Luxem besucht
Freitag, 10 Uhr morgens, eines der ältesten Grandhotels in Köln, die Atmosphäre: ein bisschen Gold, dezente Spiegel, aufmerksames Personal. In der Luft liegt der Geruch nach frisch gebrühtem Kaffee und Croissants. Mitten drin ein großes Plakat von Rheindesign. Hier werden in vier Suiten die Kabinettstückchen aufgeführt. Wilhelm Luxem betritt den Raum. Der Hotelmanager ist seit drei Jahren im Haus und gab seinen Gästen von Anfang an das Gefühl, „nach Hause zu kommen“.
Herr Luxem, welche Geschichten vom Hotel Excelsior Ernst erzählen Sie gerne?
W.L.:
Wir sind ein Traditionshaus mit 143 Jahren Geschichte. So ein Haus ist auch das Spiegelbild der Zeitgeschichte. Es gab Stars, Könige, Kriegszeiten, Wiederaufbau...da ich erst seit drei Jahren hier bin, kann ich noch nicht so viele Anekdoten erzählen.
Warum hat sich das Hotel Excelsior für Rheindesign geöffnet?
W.L.:
Wir wollen unsere Tradition als Geschichte pflegen und mit Aktuellem beleben lassen. Wir wollen das Schöne erhalten, da es sich bewährt hat, aber auch zeitgemäßen Ansprüchen gerecht werden. Der Zeitgeist kommt und geht und wir möchten uns damit nicht an einen Trend hängen, sondern uns auch den Bedürfnissen der Gäste öffnen. Rheindesign ist eine Initiative die das Thema Design als einen weiten Begriff darstellt. Uns geht es um Lebensraumgestaltung.
Ist es schwer, für ein charmantes, altes Grandhotel den Weg in die Moderne zu finden- und ist es überhaupt nötig?
W.L.:
Eigentlich waren wir immer modern. Bei der Eröffnung war das Hotel der letzte Schrei!
Wir versuchen ständig, es neu zu beleben und in der Ausstattung den Ansprüchen gerecht zu werden. Sowohl mit dem Service als auch mit der zeitgemäßen Küche.
Stehen also die Menschen im Vordergrund des Hotels – die Beziehung zwischen Service und Reisenden?
W.L.:
Wir haben viele Stammgäste, die durch die Tür kommen und sich gleich zu Hause fühlen. Das Ambiente hier soll den Gästen das Gefühl geben, dass sie zu Hause sind. Viele Gäste sind keine unbekannten Gesichter mehr, da kennt man auch mal Marotten. Andere sind viel unterwegs und möchten keine Zeit verschwenden. Es soll einfach und unkompliziert sein; schwere Dinge werden abgenommen. Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit.
Was ist oberstes Gebot im Hotel – Diskretion?
W.L.:
Freundlichkeit, aber nicht aufgesetzt, sondern ehrliche Freundlichkeit. Eine Hingabe für den Gast. Man muss die verschiedenen Bedürfnisse erkennen können, beobachten, hinterfragen. Vielleicht will jemand einfach seine Ruhe haben, der nächste hingegen könnte nach Unterhaltung suchen.
Gibt es auch filmreife Liebesgeschichten zwischen einsamen Reisenden?
W.L.:
Immer wieder! Das Hotel ist ein Spiegel der gesellschaftlichen Ereignisse. Menschen begegnen sich, streiten und versöhnen sich wieder. Es gibt immer wieder mal extreme Situationen, aber wir gehen da nicht zwischen die Fronten, da achten wir doch lieber auf Diskretion. Das Hotelpersonal ist im hohen Maße gefordert das Beste daraus zu machen, wir haben Mitarbeiter mit viel Routine. Ein Hotel ist halt geeignet für Dramen.
Wie kamen Sie auf die Idee, Kabinettstückchen in vier Suiten des Hotels zu inszenieren? Wollen Sie dadurch vielleicht auch Leuten wie mir eine Chance bieten ihr Hotel näher kennen zu lernen, nachdem man schon so oft daran vorbei gelaufen ist?
W.L.:
Die Ideen haben sich im Rahmen der Gespräche ergeben. Auf jeden Fall soll dies aber auch eine Chance für diejenigen sein, die bisher nur an uns vorbei gelaufen sind. Wir wollen die Hemmschwelle nehmen und das Eis brechen.
Wie genau kann man sich die Kabinettstückchen vorstellen?
W.L.:
Dazu kann ich noch nicht so viel sagen, da es ja bei dem Überraschungseffekt bleiben soll.
Ist das die sanfte Annäherung des Hotels an das Thema Design – ohne dadurch die Würde eines alten Traditionshauses zu verletzen?
W.L.:
Mit Design hat das ja eher wenig zu tun. Es geht eher darum das Hotelzimmer als Nische zu betrachten, in der sich Menschen begegnen. Die Besucher sollen das Hotelzimmer als Kulturraum erleben.
Was ist für Sie das schönste Hotel der Welt – und warum?
W.L.:
Das gibt es nicht. Ich suche mir das Hotel immer nur nach dem Reisezweck aus. Es kommt darauf an ob ich einen ruhigen Urlaub suche oder eher einen Badeurlaub.
Sind Sie eigentlich ein schwieriger Hotelgast als Hotelier?
W.L.:
Ich bin nicht kritisch meckernd und schaue nicht was andere falsch machen. Ich beobachte vielmehr, was sie besser machen, um daraus zu lernen.