Rheindesign-Mitarbeiterin Veronika Kornas besuchte Volker Streckel in der DesignPost. Countdown für Rheindesign.
Herr Streckel, was ist das geschmackloseste Möbelstück in Ihrer Wohnung, von dem Sie sich jedoch nicht trennen können?
Volker Streckel:
Eigentlich besitze ich nicht wirklich Geschmackloses! Wenn dann einen kackbraunen Sessel aus den 70er Jahren, der im Hallmackenreuther als Vintage durchgehen würde. Ansonsten einen Gips-Engel aus den 30er Jahren, den mir schon Freunde abschwatzen wollten. Die meisten geschmacklosen Sachen habe ich mit der Zeit jedoch verschenkt.
Was bedeuten Ihnen Möbel bzw. nach welchen Kriterien wählen Sie Möbel aus?
VS:
Ich wähle Möbel so aus, dass sie ertragbar und nicht anstrengend sind. Das macht für mich auch ein gutes Design aus.
Gibt es bei der DesignPost nur Möbel von anerkannten Designern oder haben auch junge Designer eine Chance?
VS:
Wir haben auch Möbel von unbekannten Designern, allerdings sind auch die „anerkannte“ Designer! Viele werden durch die DesignPost erst richtig bekannt. Im Großen und Ganzen machen wir jedoch eine herstellerbezogene Ausstellung.
Gibt es Trends wie in der Mode, Vintage mit Designern zu mixen bzw. Spermüll mit Designgegenständen?
VS:
Die meisten Wohntrends folgen dem Modedesign. Mode ist sowieso immer schneller. In der Mode gibt es ja auch kein Dogma, genauso ist es beim Wohnen, vieles ist möglich!
Welche Designer sind momentan bei jungen Leuten gefragt ?
VS:
Ich erlebe es eigentlich eher so, dass junge Leute weniger mutig werden und eine Tendenz zur neuen, deutschen Spießigkeit haben. Die Älteren hingegen sind schon ein wenig mutiger in ihrer Einrichtung. Aber ich staune immer wieder wie konservativ die jungen Leute mittlerweile sind.
Was halten Sie von Einrichtungssendungen? Welche finden Sie gut?
VS:
Das positive daran ist, dass das Thema Einrichten auf eine breitere Masse trifft. Man achtet jetzt eher auf ein besser gestaltetes Umfeld.
Allerdings finde ich es furchtbar, dass IKEA-Design in diesen Sendungen immer im Vordergrund steht. Ich habe natürlich nichts gegen IKEA! IKEA demokratisiert jedoch Design: Unterschiedliche Menschen kommen auf ähnliche Lösungen wegen der gleichen Materialien. Neben den ganzen Spartenprogrammen gibt es auf ARTE die Sendung „Baukunst“, die sich mit Architektur beschäftigt und ganz interessant ist.
Was sagt eine Wohnung über einen Menschen aus?
VS:
Wir haben ja alle einen unterschiedlichen Geschmack. Wenn es stimmig ist, dann kann es auch gut aussehen! Manchen fehlt auch einfach das Gefühl. Ich gebe eigentlich nur dann Tipps, wenn ich gefragt werde. Ich sehe mich nicht als Designmissionar.
Welche Einrichtungsgegenstände haben Zukunft bzw. wovon kann man später sagen, dass es ein Klassiker ist und dass sich die Investition gelohnt hat?
VS:
Alles was gut gestaltet ist und ein gutes Preis-Leistungs -Verhältnis hat.
Design ist nicht nur ein Marketingvehikel, sondern soll auch authentisch sein. Es gibt ja leider auch viel Pseudodesign, aber ich denke mal, dass auch ein Laie merkt, ob es eine gute Qualität ist oder nicht.
Die Leute müssen eigentlich mehr über Warenqualität wissen, die Kenntnisse sind nicht mehr so wie vor 30 Jahren, wo man noch wusste was gut ist und was nicht.
Bei Rheindesign machen sehr viele belgische Designer mit. Ist Belgien ein Land für gutes Design?
VS:
Nicht mehr als die anderen. Brüssel ist bei Rheindesign die Partnerstadt und da wir sowieso permanent zwei starke, belgische Designer hier haben, sind viele Ideen zusammen gekommen.
Wieso besinnen Sie sich beim Rheindesign-Festival mehr auf die Natur, wie z.B. mit Blüten-und Kräuterrezepten oder dem jardin belgique? Ist da ein Trend im Anmarsch?
VS:
Unsere Belgier produzieren Möbel für den Outdoorbereich und es ist Sommer, man möchte im Garten sein! Wir wollen den Garten interdisziplinär umsetzen. Das hat sich eher spielerisch ergeben und die Idee findet Begeisterung. Schließlich kann jeder etwas mit Blüten anfangen und Essen ist auch sehr emotional und ansprechend!
Warum haben Sie Lust für Rheindesign den ganz normalen Alltag auf die Designwelt treffen zu lassen, indem Sie eine Theatergruppe in die Designpost holen?
VS:
Wir wollen Design vom hohen Sockel holen und ihm eine gewisse Bodenhaftung verleihen: Privates wird geöffnet und öffentliche Räume werden privatisiert.
Als ich der Schauspielgruppe davon erzählt habe, waren die direkt begeistert und haben sich schon auf ihre Rollen gefreut. Nachbars Lumpi zieht hier ein und soll sich mit Design auseinandersetzen. Die eine wird Wäsche aufhängen, der andere im Rippunterhemd auf der Couch abhängen. Es soll vulgär werden, mit Trash- Faktor!